Was ist neu in ArchiMate 3.1

Seit Anfang November gibt es eine neue Version von ArchiMate. Was hat sich geändert und was ist neu? 

Das es sich um keine umfangreiche Änderung handelt, erkennt man schon an dem kleinen Sprung in der Version von 3.0.1 auf 3.1. Die größte Neuerung ist dabei das zusätzliche Element für Value Streams im Strategy Layer. Wer mehr über Value Streams erfahren möchte, kann sich hier einlesen.

Value Stream-Element

Die Definition in der ArchiMate-Referenz sagt folgendes: „Ein Value Stream stellt eine Abfolge von Aktivitäten dar, die für einen Kunden, Stakeholder oder Endverbraucher ein Gesamtergebnis ergeben.“ Eine Abfolge von Aktivitäten kennen wir bereits aus den Core-Layers z.B. als Business Process. Der Unterschied zum Prozess ist die Betrachtungsebene. Der Value Stream ist am meisten verdichtet und zeigt sehr abstrakte Handlungen. Der Value Stream ist agnostisch gegenüber seiner konkreten Realisierung durch z.b. Geschäftsprozesse und IT-Lösungen. Das bedeutet, das Value Streams ohne genaues Wissen oder Erkenntnis der Umsetzung auskommen. Das hat den großen Vorteil, dass man nun trennen kann zwischen sehr groben Aktivitäten wie z.b. „Produkt entwickeln“, „Produkt vermarkten“, „Produkt verkaufen“ und feiner Aktivitäten wie „Online-Werbung schalten“ oder „Kundenanfragen am Telefon beantworten“.

Wie man das Produkt genau entwickelt, vermarktet und verkauft ist hier ausserdem gar nicht von Bedeutung. Die Annahme ist, dass der Value Stream stabiler ist als die konkrete Umsetzung. Auch in Zukunft werden also Produkte entwickelt und vermarktet bevor man sie verkauft aber womöglich auf eine ganz andere Weise.

Value Stream Element

Die Notation des Elements ist ein Pfeilsegment. Es ist ähnlich zu dem Funktions-Symbol, hat aber eine andere Richtung, nämlich von Links nach Rechts. An den abgerundeten Ecken kann man erkennen, daß es sich um ein Verhaltenselement (Behavior) handelt.

Es ist auch erlaubt, das Pfeilsymbol selbst als Element zu nutzen. Das Element würde dann so aussehen:

Das Symbol für Value Stream

Beispiel Value Stream

Üblicherweise bilden die Elemente eine Kette um auszudrücken, welche Zuarbeiten und Voraussetzungen für das erreichen des Endresultats benötigt werden. Dabei stellt dann ein Element eine Stufe (Stage) des Value Streams dar.

Beispiel eines Value Streams

Das Beispiel zeigt, welcher Geschäftswert (Value) von den Stufen des Value Streams erzeugt werden. Zusätzlich zeigt es Fähigkeiten (Capabilities) und Ressourcen, welche an den jeweiligen Stufen beteiligt sind. Dies ist eine Betrachtung des Geschäftsmodells auf höchster Ebene. Andere Value Streams sind sinnvolle Ergänzungen um für bestimmte Stakeholder und Organisationseinheiten mehr Transparenz und Kontext zu erzeugen. So könnte für die Fertigung zusätzliche Wertschöpfungsströme visualisiert werden.

Gerichtet Assoziationen

Ebenfalls neu in ArchiMate 3.1 sind gerichtete Assoziationen:

Gerichtete Assoziation

Das Beispiel zeigt, dass Schriftwechsel und Bestellungen eine Verbindung mit Kundendaten haben. Die Richtung hilft später im Design der Schlüssel- und Fremdschlüssel-Verbindungen.

Damit die gerichtet Assoziation (directed association) nicht mit der Serving-Beziehung verwechselt werden kann, hat sie nur eine halbe Pfeilspitze. Je nach Ausrichtung des Ursprungs- und Zielelements, liegt die Pfeilhälfte über oder unter dem Graphen bzw. recht oder links davon. Natürlich kann man auch weiterhin die nicht-gerichtete Assoziation ohne Richtungspfeil verwenden.

Die gerichtete Assoziationsbeziehung kann nun noch besser verwendet werden um erste, grobe Entwürfe zu erstellen. Man kann Beziehungen zunächst generisch erfassen und später durch besser passenden ersetzen. Die Richtung von Sequenzen oder Informationsflüssen bleibt dabei nun erkennbar

Der Formhalber sollte ich erwähnen, dass die Assoziation in eine andere Kategorie gewandert ist. Sie ist jetzt den Dependency-Relationships (Abhänigkeitsbeziehungen) zugeordnet.

Ableitungsregeln

Der Bereich der abgeleiteten Beziehungen ist in ArchiMate 3.1 umfangreicher beschrieben und formaler in Regeln gefasst. Dies dürfte es den Tool-Herstellern erleichtern die Ableitungsregeln zu implementieren. Das wiederum verbessert die Analysemöglichkeiten der Modelle.

Was Ableitungen sind, möchte ich auch noch kurz zeigen:

Modell und Ableitung

Im linken Bereich sehen wir das Modell: Die Banking App realisiert das Online-Banking und dies dient dem Hans. Jetzt kann man Fragen: Welche Beziehung besteht zwischen der Banking App und Hans. Diese Beziehung ist im Modell nicht explizit vorhanden, kann aber abgeleitet werden. Der rechte Teil des Bildes oben, zeigt die abgeleitete Beziehung: Serving. Wie gesagt, diese wurde nicht modelliert sondern ergibt sich aus den Regeln. Dies ist nur ein kleines Beispiel aus den vielfältigen Möglichkeiten nicht modellierte Beziehungen abzuleiten.

Das waren die Änderungen und Neuerungen von ArchiMate 3.1. Am Rande sei noch bemerkt, dass die Zertifizierungsprüfungen noch bis in das Jahr 2021 auf der Version ArchiMate 3.0.1 basiert bleiben.

Quelle: ArchiMate 3.1 Online-Referenz (Englisch)